Deutschland
23.02.2018 - Unternehmensinformationen

Versicherungsvertriebsrichtlinie

Insurance Distribution Directive (IDD)

Was Sie jetzt tun und beachten müssen!

IDD ist die Abkürzung für Insurance Distribution Directive, zu deutsch Versicherungsvertriebsrichtlinie, die EU-weit gesetzliche Standards setzt. Am 23. Februar 2018 tritt das deutsche IDD-Umsetzungsgesetz in Kraft. Daher werden die Gewerbeordnung (GewO), das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und das
Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) um verschiedene Bestimmungen ergänzt oder geändert. Alle Versicherungsvermittler müssen die neue Pflichten beachten.

Die EU-Kommission hat Ende 2017 beschlossen, die Anwendungsfrist der IDD auf den 1. Oktober 2018 zu verschieben. Trotz dieser Verschiebung wird das bereits verabschiedete deutsche IDDUmsetzungsgesetz vollumfänglich mit allen Verpflichtungen im Februar 2018 in Kraft treten. Aufgrund der politischen Gesamtsituation in Deutschland ist nicht mit Änderungen zu rechnen. Damit werden ab diesem Zeitpunkt die im deutschen IDD-Umsetzungsgesetz geregelten neuen Verpflichtungen für die gesamte deutsche Versicherungsbranche gelten.

Zu den neuen Berufsausübungspflichten gehören:


1. Aus- und Weiterbildung

Wie bisher sieht die zukünftige Fassung der Versicherungsvermittlerverordnung eine angemessene Erstausbildung für Versicherungsvermittler vor.

Neu ist, dass das Gesetz künftig eine Weiterbildung von mindestens 15 Stunden pro Jahr fordert. Das heißt, künftig muss jeder Makler und Mehrfachagent sowie gegebenenfalls seine betroffenen Beschäftigten diese neuen gesetzlichen Anforderungen von 15 Weiterbildungsstunden pro Jahr erfüllen (für das Jahr 2018 gilt eine Sonderregelung von 12,5 Weiterbildungsstunden; eine Weiterbildungsstunde beträgt 60 Minuten).

Achtung: Im Rahmen von IDD gilt ebenfalls, dass alle vertrieblich tätigen Innendienstmitarbeiter bis zum 23. Februar 2018 auf ihre fachliche Eignung zu prüfen und gegebenenfalls auf ihre Tätigkeit hin zu qualifizieren sind. Des Weiteren muss eine Leumundsprüfung dieser Mitarbeiter erfolgen.
Zu den Details IDD für vertrieblich tätige Innendienstmitarbeiter (35 KB)

2. Bestmögliches Kundeninteresse und Vermeidung von Interessenkonflikten

Gesetzlich verankert ist jetzt die Pflicht, den Kunden gegenüber stets ehrlich, redlich und professionell in deren bestmöglichen Interesse zu handeln. Was bedeutet das konkret?

Prüfen Sie

  • Ihren Beratungsprozess
    Erfassen Sie weiterhin alle Beratungsschritte in Beratungsprotokollen und denken Sie an eine ausreichende Erstinformation (siehe unten).
  • Ihre Kompetenz
    Haben Sie wichtige Wissenslücken? Nutzen Sie hier gerne die Unterstützung unserer Maklerbetreuer.
  • Ihre Kundenbetreuung
    Haben Sie Standards für eine regelmäßige Überprüfung der Verträge und die Unterstützung im Schadenfall?
  • die Vergütung Ihrer Angestellten und eigenen Untervermittler
    Verwenden Sie gegenüber Ihren vertrieblich eingesetzten Angestellten und eigenen Untervermittlern Verkaufsziele, Vergütungen und Anreize, die mit der Pflicht, im bestmöglichen Kundeninteresse zu handeln, im Konflikt stehen?
    Passen Sie gegebenenfalls Ihre Vergütungs- und Zielesystematik an und loben Sie auch qualitative Ziele aus wie beispielsweise niedrige Stornoquoten.

3. Erstinformation

Übermitteln Sie jedem neuen Interessenten eine statusbezogene Erstinformation, beispielsweise mit der Visitenkarte.

Sie sind bisher schon verpflichtet, beim ersten geschäftlichen Kontakt in Textform bestimmte Pflichtinformationen mitzuteilen. Nach jetzigem Entwurfsstand der Versicherungsvermittlungsverordnung ab 23. Februar 2018 muss die statusbezogene Erstinformation um folgende Informationen erweitert werden:

  • dass Sie Beratung anbieten,
  • die Art der Vergütung, die Sie erhalten sowie
  • ob die Vergütung als Provision oder sonstige Vergütung in der Prämie enthalten ist.

Tipp:
Auch das Impressum Ihrer Homepage muss um die oben genannten statusbezogenen Erstinformation erweitert werden.

4. Sondervergütungs- und Provisionsabgabeverbot

Das Verbot der Gewährung von Sondervergütungen, insbesondere Provisionsabgaben, an Kunden, versicherte Personen und Bezugsberechtigte durch Versicherer und Versicherungsvermittler und deren Angestellte wurde auf eine zeitgemäße gesetzliche Grundlage gestellt.

Ausnahmen sind Bagatellgeschenke bis 15 Euro pro Vertrag und Jahr sowie vom Versicherungsabschluss unabhängige Gewinnspiele, die ebenfalls nicht unter diese Beschränkung fallen.

Von Versicherungsunternehmen darf für einen vermittelten Versicherungsvertrag weiterhin grundsätzlich Prämienrabatt gewährt werden. Eventuelle Einschränkungen werden aktuell geprüft.
Ein Verstoß gegen das Provisionsabgabeverbot kann von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Außerdem drohen kostenpflichtige Abmahnungen seitens Wettbewerber oder Verbraucherschutz-/Wettbewerbsverbänden.

5. Zusätzliche Kontrollpflichten für Betreiber von Maklerbüros

  • Setzen Sie in Ihrem Maklerbüro Mitarbeiter/-innen im Versicherungsvertrieb ein, das heißt machen Angestellten Ihren Kunden Angebote, beraten sie oder unterstützen sie bei der Vertragserfüllung, insbesondere im Schadenfall? Dann müssen Sie sicherstellen, dass diese Mitarbeiter zuverlässig sind (aktuelles Führungszeugnis vorlegen lassen und in Personalakte ablegen).
  • über eine sachgerechte Qualifikation verfügen (vgl. 1).
  • sich regelmäßig weiterbilden (vgl. 1).
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